Сборник научно-исследовательских статей на русском и немецком языках. 1-е изд. Алматы, 2012. 240 с



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Die ersten Werst in der Steppenregion 
Der Gouverneur der Region Konstantin Petrowitsch von Kauf-
mann verließ Petersburg und wählte den Weg aus Omsk nach 
Taschkent über Semipalatinsk und Kopal (heute Kapal). In all 
diesen Städten hielt er sich für kurze Zeit auf, um sich um den 
Zustand der Truppen zu kümmern. Aber in der Festung Wernoje 
sollte er zehn Tage lang weilen. In Omsk traf sich Kaufmann mit 
Alexandr Petrowitsch Chruschtschow, dem Generalgouverneur 
Westsibiriens (1866-1875), der damals die Macht in der Region, 
darunter auch in den Gebieten Semiretschje und Sailijski, ausüb-
te. Während des Treffens tauschten die Gouverneure ihre Erin-
nerungen über das Peterburger Leben sowie die Meinungen und 
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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Empfehlungen des Militärministers Graf Dmitri Alexejewitsch 
Miljutin (1861-1881), des nächsten Mitarbeiters von Zar Alexan-
der II., aus. Im Gespräch wurde auch die Organisation der Regio-
nen Orenburg und des Steppenkreises sowie die Gründung von 
Russisch-Turkestan berührt. Dabei wurden die Bestimmungen 
berücksichtigt, die von den ehemaligen Gouverneuren Kolpa-
kowski und Alexandr Osipowitsch Duhamel ausgearbeitet wur-
den „…aus Wernoje eine für unsere asiatischen Nachbarn un-
einnehmbare Festung zu entwickeln“. Eine Kavalkade erstreckte 
sich über mehrere Werst (ein Werst entspricht 1.066,78 Metern, 
Anm. d. Übers.) entlang der Landstraße Omsk-Semipalatinsk-
Werny. Die Durchreisenden begleitete Gerasim Alexejewitsch 
Kolpakowski - Militärgouverneur des Gebiets Semipalatinsk. Vor 
den Reisenden lag „…eine riesengroße, ebene und menschen-
leere Steppe. Sie scheint in alle Richtungen endlos zu sein. ...Der 
durch seine Weiße blendende Schnee ohne einen einzigen Ge-
genstand, auf dem der halbgeblendete Blick ruhen könnte, ϐlößt 
unerträgliche Schwermut ein. Das Gebiet Semipalatinsk nimmt 
eine Fläche von 385.000 Quadratwerst mit einer Einwohnerzahl 
von 527.000 ein. Doch gibt es keine lebende Seele in dieser un-
ermesslichen Wüste…Tot und kalt...“. Aber Kaufmann und sein 
Gefolge wurden prachtvoll empfangen, als ob er ein Botschafter 
des Zaren wäre. Die Priester hielten einen Dankesgottesdienst, 
die Bewohner drängten sich in den Randgebieten der Kosa-
kensiedlungen mit Bewirtung. Hunderte von Steppenburschen 
nahmen an Nationalspielen, Festen und Wettbewerben teil. Die 
einheimischen kirgisischen Adligen, die Sultane des Bezirks Ala-
tau bauten für die Gäste schneeweiße Jurten auf, die mit orien-
talischen Speisen und Musik voll waren. Zu General Kolpawski 
kamen während seiner Durchreise wichtige und einϐlussreiche 
einheimische Personen, die russische Untertanen geworden wa-
ren und wurden ihm vorgestellt.
Dank der Reisenden erhielt die am Irtysch gelegene Stadt 
Semipalatinsk die treffende Bezeichnung „Teufelssandkasten“. 
Hier machte Kolpakowski Kaufmann mit seiner Tätigkeit als Mi-
Wladimir Proskurin

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litärgouverneur und den örtlichen Sehenswürdigkeiten bekannt. 
„... Im Zentrum ist eine Festung, ringsum sind Vorstädte: die Ko-
sakenvorstadt, die Russische, die Tatarische und die Taschkenter 
Vorstadt. Es gibt ein Haus aus Stein, aus Holz gibt es 1.128 ... Hier 
beϐinden sich die Stabsquartiere des 7. Westsibirischen Linien-
bataillons und des 8. Bezirks der Sibirischen Kosakentruppe… 
Am Nikolaus-Platz vor der Festung ist ein Boulevard angelegt 
und in zwei Reihen sind Pappeln gepϐlanzt… Das schönste Ge-
bäude der Stadt ist die Moschee – anmutig und leicht, gebaut 
nach der Zeichnung des Baumeisters Konstantin Ton. Von ihren 
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan
Der Gouverneur der Region Turkestan Konstantin von Kaufmann.

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hohen Minaretten aus ist ganz Semipalatinsk mit Umgebung bis 
zum fernen Berg Semitau zu sehen“ (aus den Erinnerungen von 
Alexandr Konstantinowitsch Heinz). 
Im Gefolge und in der unmittelbaren Umgebung von Kauf-
manns waren sein persönlicher Adjutant A. W. Oserow, Kanzleire-
gent Alexandr Konstantinowitsch Heinz und der Wilnaer Beamte 
N. S. Scherbinski. Mit dem Gouverneur reisten unter anderen der 
Stableiter des Militärbezirks Turkestan Wiktor Desiderewitsch 
Dandevil, sein Helfer, der Oberst des Generalstabs Michail Fomit-
sch Petruschewski, die Militärpersönlichkeiten, Historiker und 
Geographen Reinhold Friedrich von der Osten-Sacken (Fjodor 
Romanowitsch Osten-Saken) und Alexej Iwanowitsch Maksche-
jew, die Feldmesser, Topographen und Kartographen Alexandr 
Petrowitsch Prozenko, S. L. Matusowski, Wladimir A. Poltoraz-
ki sowie Stanislaw Iwanowitsch Schilinski, die Bauingenieure 
D. K. Sazepin und S. K. Jantschewski, die Beamten für Sonderauf-
träge und Militärschriftsteller Nikolai Alexandrowitsch Majew 
und I. I. Soltanowski. 
Die Militärs erinnerten sich an ihre Zeit als jugendliche Ofϐi-
ziere. Kolpakowski und Kaufmann verband eine langjährige 
Freundschaft, wahrscheinlich aus der Kaukasus-Zeit, als sie 
am Krieg gegen die Bergbewohner (1844-1853) teilgenommen 
hatten. Konstantin Petrowitsch war Kapitän der Leibgarde des 
Pionierbataillons und Stabsadjutant des Kaukasischen Sonder-
korps. Für die Eroberung des Auls Gergebil wurde ihm der erste 
St.-Georgs-Orden 4. Klasse verliehen (11. Dezember 1848). Viel-
leicht traf dieser früher, im Jahre 1842, als der Stabsfeldwebel 
Kolpakowski zum Adjutanten des Modlinskiregiments ernannt 
wurde, im Kreise der Truppe den tapferen Feldherrn Kaufmann – 
den zukünftigen Gouverneur Turkestans. In dieser Zeit began-
nen der gemeinsame Dienst und die feste Freundschaft zwischen 
Kolpakowski und Kaufmann. 
Kaufmann und seine Gattin Julia Mawrikijewna wurden in der 
Familie Kolpakowski herzlich empfangen. Die Frau von Kolpa-
kowski, Melani Fominischna (geborene Emilia Tschember) hatte 
Wladimir Proskurin

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zwei junge Töchter, Maria und Saschenka, den dreijährigen Sohn 
Michail und den neu geborenen Jungen Grigori. Im Kinderkreis 
machte man sie mit Michail, dem einzigen Sohn der Kaufmanns, 
bekannt.
Den Erinnerungen Kolpakowskis zufolge traf er zwei Tage vor 
der Ankunft Kaufmanns in Ajaguz (Sergiopol) Oberst D. G. Kolo-
kolzew (General Kolpakowski wies ihn an, dem Anreisenden Trup-
pen zur Verfügung zu stellen - W.P.). Zu dieser Zeit begann man, 
die sibirischen Regimenter Nr. 9 und 10 die „Semiretschensker“ 
zu nennen; man hatte sie zum Geleit Gouverneur Kaufmanns 
ausgewählt.
Zehn Tage in der Festung von Werny 
Kaufmann erreichte Werny am 20. Oktober 1867. Ihm wurde 
das Ingenieurhaus am Sophien-Boulevard, heute Turgenskaja-
Str., zur Verfügung gestellt (Die alten Gebäude der Kosakensied-
lung Bolsche-Almatinskaja in Almaty sind abgetragen worden. 
W.P.). Den durch Kaufmann aus Petersburg entsandten Beamten 
wurden Wohnungen in der Nähe seines Hauses zugewiesen. Er 
ließ sie einige Male am Tag mit Berichten kommen. Für die hohen 
Gäste wurde eine Schau aller Waffengattungen von Semiretschje 
gegeben, die Parade leitete D. G. Kolokolzew, der als Wahlataman 
(nakaznoj ataman) der Semiretschensker Kosakentruppe fun-
gierte. Eingetroffen waren Ordonanzen von allen Truppenteilen. 
Der Truppenchor empϐing den Gouverneur mit Marschliedern. 
Aus den Erinnerungen von Kolokolzew: „…das Truppenkom-
mando begrüßte ihn militärisch. Ich gab dem Pferd die Sporen 
und galoppierte zu ihm mit dem Rapport heran. Kaufmann hör-
te mit besonderer Aufmerksamkeit zu, nahm von mir die Stär-
kemeldung ab und übergab sie dem Adjutanten. Danach ritt er 
im Schritt von der Front heran, hielt kurz am rechten Flügel an, 
als ob er sich die Menschen genau ansehen wolle, und begrüß-
te schneidig das Bataillon. Kaufmanns Gefolge blieb am rechten 
Flügel stehen, und er ritt allein im Schritt die Front entlang und 
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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sah sich jeden Menschen genau an. Meine abschließenden Un-
terofϐiziere standen in fadengerader Linie, ohne ein Glied zu rüh-
ren, und alle Köpfe waren zu Kaufmann gewandt. Er ritt aus der 
Front heraus und begrüßte wieder schneidig das ganze Batail-
lon. Die Soldaten antworteten erneut einträchtig und laut: „Wir 
freuen uns, zu dienen“, und danach wurde wieder alles totenstill. 
Dann wandte sich Kaufmann zu mir, legte die Hand an den Müt-
zenschirm und sagte: „Der Dienst ihrer Männer hat einen Sinn“. 
Er ritt zur Batterie von Oberst Markownikow (wegen dessen 
Krankheit präsentierte die Batterie der älteste Ofϐizier der Ar-
tillerie Stabskapitän Kuljanka). Kaufmann, der genau wie zuvor 
bei der ersten Waffe für eine Minute stehenblieb und die gesam-
ten Nummern der Geschützbediener, die regungslos an ihren 
Plätzen standen, überblickte, begrüßte die Artilleristen, ritt alle 
acht Waffen entlang und begann danach jede Waffe einzeln ab-
zureiten. Er bedankte sich bei den Artilleristen des 10. und 11. 
Bataillons (den ehemals Westsibirischen, in Turkestanische um-
benannten Bataillons). 
Nach der Besichtigung der Kosakenhundertschaften ritt Kauf-
mann mit all seinem Gefolge durch das Tor der Festung und hin-
terließ große Staubwirbel. Wir, die ältesten Ofϐiziere, versam-
melten uns, bevor wir die die Soldaten in die Kasernen schickten, 
für einige Zeit und teilten einander unwillkürlich unsere Ein-
drücke mit, die das neue Gebietsoberhaupt auf uns machte. Die 
Soldaten, die von der Besichtigung in die Kasernen gekommen 
waren und zu Mittag gegessen hatten, dachten nicht daran, sich 
hinzulegen und sich auszuruhen, sondern begannen von sich aus 
die Ausrüstung zu reinigen und aufzuräumen, obwohl von mög-
lichen Inspektionen überhaupt noch keine Rede sein konnte“. 
Obwohl er vom Weg und der vorgenommenen Truppenbesich-
tigung, die sehr lange dauerte, ermüdet war, entließ Kaufmann 
bei Ankunft in seiner Wohnung die Wache und die Ordonnanz 
und ging zu sich ins Haus.
Am nächsten Tag folgte die Vorstellung aller leitenden Per-
sonen, die sich mit besonderem Eifer und sichtbarer Aufmerk-
Wladimir Proskurin

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samkeit an die Arbeit machten. Kaufmanns Quartier quoll an 
Werktagen von Amtsträgern aller Verwaltungsteile, insbeson-
dere für Zivilsachen, geradezu über. Er empϐing alle und hörte 
jedem zu, und begann sofort Anordnungen zu treffen; schickte 
Kuriere nach Taschkent mit Befehlen betreffs seiner Anreise. In 
den nachfolgenden Tagen inspizierte er die Festung – die Ver-
waltungskasernen, Lager, Truppenquartiere, das Lazarett, die 
Hauptwache etc.; mit seiner Aktivität und der Schnelligkeit sei-
ner Handlungen bewegte er, wie man zu sagen pϐlegt, alle Steine. 
Auf Hauptwache gab es unter den Verhafteten viele Angehörigen 
sowohl der sesshaften als auch Steppennomadenstämme, die 
unerwartet Raubzüge unternahmen, verwüsteten und Massaker 
anrichteten.
Im Nu stachelten sie alle Steppenvölker und Horden von wil-
den Fanatikern zum Aufruhr an und versammelten Mengen 
von zehntausenden von Reitern. Ihr Verbrechen erfolgten auf 
Befehl von einϐlussreichen Personen, Stammesältesten, Beks, 
Batyren, die den Ruf außerordentlicher Kühnheit hatten. Das 
Militärgericht verurteilte die Verbrecher zur Höchststrafe. Doch 
man setzte die Strafvollstreckung bis zur Ankunft des neuen Ge-
bietsoberhaupts aus. Kaufmann erschien nach der Truppenbe-
sichtigung auf weißem Pferd mit seinem ganzen Gefolge und der 
Wachmannschaft bei der Hauptwache. Vor der versammelten 
Menschenmenge, die sich hinter ihm vom Manöverfeld herzog, 
befahl er, die Verurteilten aus der Hauptwache hinauszufüh-
ren. Über den Dolmetscher verkündete er „die Gnade des Wei-
ßen Zaren: dieses eine Mal kraft der ihm vom Zaren gegebenen 
Vollmacht verzeiht er Euch allen und gibt Euch die vollständige 
Freiheit. Doch dies unter der Bedingung, dass Ihr in Eure Famili-
en die Nachricht bringt und über die weiten Steppen verbreitet - 
der Weiße Zar schenkt Euch das Leben als Beispiel seiner Gnade 
gegenüber seinen neuen Untertanen“.
Mit der allgemeinen Besichtigung aller Truppen, mit der Artille-
rie und Kosaken, dem kleinen Manöver in der Kosakensiedlung Al-
matinskaja zeigte sich Kaufmann zufrieden. Dank der Gastfreund-
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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lichkeit des Vorstehers des ehemaligen Bezirks Alatau Baron 
N. E. Frideriks wurde ihm ein ofϐizieller Tisch im öffentlichen 
Garten von Almatinskaja gedeckt. In den Erinnerungen heißt es: 
„… es gab viele Gäste. Die Bewirtung war hervorragend – vorzüg-
licher Wein von Jelisejew... Im Freundeskreis wurde ein bedeu-
tendes Konzertprogramm gegeben. In Erinnerung blieb, dass im 
Programm in Werny das Wichtigste „…Klavier und Cello bei Ala-
tau!“ waren. Während sich die Gäste an verschiedenen kleinen 
Tischen mit Kartenspiel befassten, spielte Frideriks Cello, ihn be-
gleitete mit Klavierspiel seine Frau, Baronin Sophia Antonowna. 
Er spielte gar nicht übel“. (Es sei angemerkt, dass Frideriks in 
den Folgejahren Direktor der Omsker Kaiserlichen Russischen 
Musikgesellschaft wurde (um 1887)).
Erst spät am Abend verließ Kaufmann mit seinem Gefolge und 
der Wachmannschaft aus hundert Kosaken die Festung Werny. 
Dabei musterte er die Umgebung. „…Dies war die Zeit der Er-
schließung des Gebiets Semiretschje. An eine neue Stadt dach-
te damals niemand, und die gesamten Gebäude, der Markt mit 
zahlreichen Holzbuden fanden Platz in der Kosakensiedlung Bol-
sche-Almatinskaja. …Die Branntweinbrennerei von Kusnezow 
existierte seit dem Jahr 1863, aber die Weinbrennerei war aus 
Denkmal für Kaufmann in Taschkent.
Wladimir Proskurin

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Holz und sehr verfallen… Es gab eine Befestigung, Steinbauten 
erhoben sich und drei Kasernen standen in den Kosakensied-
lungen Malaja und Bolschaja (die Kleine und die Große). Schon 
damals gab es auch die Tatarenvorstadt, die natürlich über eine 
Moschee verfügte“, schrieb ein Augenzeuge. 
Unter den Regierungsgebäuden des Sophien-Boulevards stach 
besonders das Haus des Vorstehers des Bezirks Alatau hervor, 
das mit einem großen Hof, einem botanischen und zoologischen 
Garten ausgestattet war. Hier waren die Gouverneure Westsibi-
riens Gustav Christianowitsch Gasfort, Karl Gutkowski und Alex-
andr Duhamel, die am Ausbau der Festung Werny teilnahmen, 
wie auch andere hohe Gäste zu Besuch. Hier wurden auch die 
Gebietsadministration, die Truppen- und Siedlungsadministra-
tion und das Museum der Semiretschensker Kosakentruppe er-
richtet (zu verschiedenen Zeiten – W.P.)
Um den Sophien-Platz standen Kasernen des zweiten Batail-
lons, die Hauptwache mit Karzer, eine Ingenieurswerkstatt und 
eine Maßschneiderei. Übrigens befanden sich im Nordwestteil 
der Festung Werny, die heutzutage nicht mehr besteht, zwei 
Parks der Garnisonsartillerie. Auf den kleinen grünen Wiesen 
am Ufer der Almatinka lernten die jungen Kosaken reiten. Hier 
waren auch die Wirtschaftsgebäude der ersten Stadtviertel. Das 
rechte hochgelegene Ufer bestand aus einer Reihe von hand-
werklichen Werkstätten. 
Hier wurde Ton für das kleine Ziegelwerk des Ingenieurs Leo-
nard Alexandrowski gewonnen. Deshalb wurde diese Stelle Bol-
schoi Log (Große Schlucht) genannt. Die Kosaken bauten ihre 
Häuser höher als die Siedlungsstraßen, in den Niederungen der 
hügeligen Berge und pϐlanzten Gemüse an, säten Luzerne (im 
Siebenstromland nannte man das Futtergras „Klee“. Daher rühr-
te die neue Bezeichnung „Kleegrundstücke“ in der Gegend, in der 
sich später der Zoo von Alma-Ata befand). Am linken Ufer der 
Malaja Almatinka (der Strom bildete mit seinem Flussarm die 
Elsterninsel) lag die Festung. Hier lebten in den Siedlungen und 
abgesonderten Grundstücken der Kosakensiedlung Almatinska-
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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ja 334 Zivileinwohner. Dazu kam die Militärsiedlung mit vielen 
Tausenden Bewohnern.
Die Kaufmann-Jahre
Die zehn Tage Ende Oktober 1867 in der Hauptstadt von Semi-
retschje endeten in Tokmak. Hierher begleitete General Kolpa-
kowski Kaufmann feierlich und nahm von ihm Abschied. Tokmak 
bildete in jenen Jahren die Grenze der Befestigungslinie Nowo-
kandskaja und gehörte gleichzeitig in klerikaler Hinsicht zur Re-
gion Orenburg. In seinem Dienstort Taschkent kam Kaufmann 
am 7. November 1867 an. Und jeder machte sich an die ihm auf-
getragene Arbeit zum Auϐbau der Region Turkestan. 
Mit der Ankunft Kaufmanns nahm der Transport- und Postver-
kehr in Semiretschje zu, er wurde friedlicher und freier. Über-
all sammelte Kaufmann ausführliche Informationen über alles, 
was die Region betraf. Er machte sich mit allen Einzelheiten des 
Lebens im Orient und mit den jahrhundertealten Sitten der Ein-
wohner vertraut. Mittels seiner Anordnungen und Handlungen 
hatte er in kurzer Zeit den Frieden wiederhergestellt. Unter den 
möglichen Kollegen und Bekannten Kaufmanns, die nach ihm 
eintrafen, sind klangvolle Namen russischer Gelehrter, Diploma-
ten, Literatur- und Kunstschaffender und Persönlichkeiten des 
öffentlichen Lebens. 
Kaufmann war häuϐig dienstlich in Petersburg und nahm sei-
nen Weg regelmäßig über Werny und Omsk. Anlässlich seiner 
Ankunft wurde der sogenannte „Kaufmannsche Pavillon“ er-
richtet, der nicht nur das Gebietsoberhaupt in Empfang nahm, 
sondern auch hohe Gäste während ihres Aufenthalts in Werny. 
Während seines Besuchs 1871 „stieg Kaufmann in einem der 
Häuser der Neustadt ab, wo noch im Vorjahr ein verwahrlostes 
Grundstück lag, das bereits in Viertel aufgeteilt war“. Die Stadt 
„…wird schnell mit zweistöckigen Häusern aus Stein – privaten 
und staatlichen – bebaut. Diese Neustadt hat schon jetzt eine 
gute Veranlagung für ihre zukünftige Entwicklung. Sie wächst 
Wladimir Proskurin

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mit jeder Stunde und verspricht zu einer richtigen Stadt zu wer-
den, und nicht zu einer großen Kosakensiedlung, wie sie bis jetzt 
war – mit ihren kleinen Holzhäusern und patriarchalischem Mi-
lieu…“.
Gemeinsam mit Kolpakowski legte er den Grundstein für die 
Stadt Werny, „… im Bemühen die ihm so liebe Region mit ϐleißigen 
und kundigen russischen Elementen besiedeln, um sie auf fried-
lichem Wege zu gewinnen und sie dadurch zu einem lebendigen 
und untrennbaren Teil des großen Russland zu machen. Unter 
ihm wurden in jedem Amtsbezirk Listen der für die Besiedlung 
günstigen Orte geführt, und aus den Gouvernements Poltawa, 
Charkow und anderen südlichen Gebieten Übersiedlungswillige 
eingeladen. Insbesondere Gärtner und Ackerbauern, sie beka-
men Unterstützungen und Vergünstigungen …“ In nachfolgen-
den Jahren brachte Gouverneur Kaufmann aus Taschkent grüne 
Geschenke und schmückte die Stadt mit Alleen aus Pyramiden-
pappeln, Maulbeeren, Flieder, weißer Akazie. Insbesondere ließ 
er den Alϐjorow-Hain (den heutigen Baum-Hain) mit Nadel- und 
Obstbäumen sowie dekorativen Bäumen und Gebüsch pϐlanzen.
Kaufmann war Ehrenmitglied der Kaiserlichen Russischen 
Geographiegesellschaft und Vorsitzender der turkestanischen 
Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, Anthropo-
logie und Ethnograϐie (OLEAE), einer Gesellschaft, die sich mit 
der Organisation von naturwissenschaftlichen Expeditionen 
befasste. Zusammen mit seinem jüngsten Bruder Michail Petro-
witsch (1821-1902), der ebenfalls ein bekannter Militär, Staats-
mann und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens war, eröffnete 
Kaufmann in Turkestan 60 Schulen, zwei Jungen- und zwei Mäd-
chengymnasien in Taschkent und Werny. Er richtete auch eine 
öffentliche Bibliothek ein.
Eines Tages erkrankte Kaufmann an Fieber und musste im 
Militärspital in Werny behandelt werden. Im Briefwechsel mit 
Petersburg bemerkte er, dass seine Gesundheit seitdem ruiniert 
sei und sein Freund Kolpakowski, der Gouverneur von Semi-
retschje, die Sicherung normaler Bedingungen im Russischen 
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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Turkestan auf seine Schultern genommen habe. Während Kauf-
manns Dienstreisen (1873-1882) und seiner schweren Krank-
heit (vom 11. Mai 1879 bis zu seinem Tod) assistierte Gerasim 
Aleksejevitsch dem Gouverneur der Region Konstantin Petro-
witsch von Kaufmann; er war Leiter der Militär-Volksverwaltung 
(1876) und leitete die Expedition während der Operationen 
Chiwa (1873) und Kokand (1876). Meilensteine, die mit der Tä-
tigkeit von Kaufmann und Kolpakowski in Verbindung stehen, 
stellen die Entwicklung der Region Turkestan mit den Gebieten 
Semiretschje (1867) und Fergana (1873) sowie die Bildung der 
Protektorate Buchara (1868) und Chiwa (1873) dar. An Stelle 
des ehemaligen Chanats Kokand wurde am 19. Februar 1876 
der neue Bezirk Fergana gebildet – das bedeutendste Denk-
mal für Kaufmanns Tätigkeit. Kaufmanns Tagebücher und Er-
innerungen werden im Staatlichen Historischen Zentralarchiv 
Russlands (Fonds 954) auϐbewahrt und umfassen den Dienst 
in Turkestan, die Eroberung des Chanats Buchara und Chiwa, 
die Einnahme von Samarkand, der Festung Machram und der 
Serbulakski-Höhen. 
Im Zusammenhang mit der Zuspitzung der Situation an den 
Grenzen zu Kuldscha und Kaschgar schickte Kaufmann in das 
Gebiet Semiretschje diplomatische Beamte und berief interna-
tionale Verhandlungen und Kongresse in Sergiopol und Peters-
burg zwischen China und Russland ein. Der Generalgouverneur 
berichtete Zar Alexander II. über die Ereignisse an der Grenze 
und erhielt die Allerhöchste Order vom 27. April 1871 über den 
Feldzug an die chinesischen Grenzen. Im alten Kosakenlied wird 
der Kuldscha-Feldzug des Generals Kolpakowski erwähnt: „Wir 
wollen ein Lied von alten Zeiten singen, das Herz soll sich er-
freuen; erinnern wir uns an die goldene Zeit, als wir die Tarant-
schi gebändigt haben“. Im Jahre 1871 traf Kaufmann gemeinsam 
mit Kolpakowski die Entscheidung, die Grenzgebiete zu beset-
zen und gliederte in heldenhaften Kämpfen die Region Kuldscha 
dem Gebiet Semiretschensk ein. Auch weitere Heldentaten zum 
Ruhm des Vaterlands wurden vollbracht. 
Wladimir Proskurin

141
Als das 300-jährige Bestehen der Sibirischen Kosakentruppe 
groß gefeiert wurde, nahm Kaufmann am festlichen Gottesdienst 
in der Kirche der Kosakensiedlung Bolsche-Almatinskaja und am 
Kreuzgang mit Gottesdienst um die Kosakensiedlung Almatins-
kaja herum teil. Der General wurde der Semiretschensker Ko-
sakentruppe zugeteilt (am 18. Juli 1872), und er trug die Uni-
form der Kosakenarmee (am 17. April 1870).
Im darauffolgenden Jahr 1881 traf die Nachricht über den Tod 
von Zar Alexander II. Kaufmann zutiefst, er erlitt einen schweren 
Schlaganfall mit anschließender Lähmung. In diesem Zeitraum, 
vom 11. Januar bis zum 21. März, war Kolpakowski ständig am 
Bett von Konstantin Petrowitsch. Am 28. März übernahm Gene-
ral Kolpakowski die Leitung des General-Gouvernements Turke-
stan und das Oberkommando für den Militärbezirk Turkestan 
unter Beibehaltung der Position des Heeresatamans der Semi-
retschensker Kosakenarmee. In dieser Position blieb er, bis er 
zum Vorsteher der Steppenregion wurde.
Konstantin Petrowitsch Kaufmann starb an einem Schlaganfall 
und wurde am 5. Mai 1882 in der Gruft, die sich an der Grünanla-
ge gegenüber dem Taschkenter Gymnasium beϐindet, beigesetzt. 
1889 wurden die sterblichen Überreste in die militärische Verklä-
rungskathedrale (Spaso-Preobraschenski sobor) gebracht (durch 
die Zerstörung der Kathedrale in der Sowjetzeit blieb die Grab-
stätte Kaufmanns nicht erhalten). Denkmäler wurden ihm an der 
Stelle des ersten Grabs im Konstantinsgarten sowie am Kaufmann-
prospekt in Taschkent errichtet (Bildhauer Nikolaj Georgijewitsch 
Schleifer), die Einweihung fand am 4. Mai 1913 statt (das Denk-
mal wurde im sowjetischen Usbekistan am 28. September 1935 
gesprengt). Im Landkreis Syr-Darjinskaja im Gebiet Taschkent be-
fanden sich die Dörfer Konstantinowka und Kaufmannskoje, in de-
nen mennonitische Kolonisten aus den Gouvernements Saratow 
und Samara lebten. Nach Konstantin Petrowitsch von Kaufmann 
wurde der höchste Gipfel der Region Turkestan benannt (7134 m, 
1886 umbenannt in G. E. Grum-Gshimailo; am 27. Oktober 1924 
wurde der Gipfel zum Lenin-Gipfel umbenannt; inzwischen wur-
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

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de er erneut umbenannt – seit 2006 heißt er Abu Ali ibn Sina-Pik 
nach dem persischen Arzt, Gelehrten, Philosoph und Dichter). 
Einst fuhr auf der Wolga eine Fähre mit dem Namen „Konstantin 
Kaufmann“. Kurzum, das Gedenken an Kaufmann wurde ausra-
diert. Freilich erhielten seinen Namen etliche Pϐlanzen Turke-
stans, darunter Hahnenfuß, Läusekraut und Tulpen. In die Rote 
Liste eingetragen und so für die Nachkommenschaft erhalten sind 
die Ikonnikovia kaufmanniana und Kaufmannia semenovii. Das 
bedeutet, der Held unserer Erzählung - die strahlende Blüte von 
Russisch-Turkestan - bleibt unerreichbar für den gedächtnislosen 
Beamten und Reformer unserer Tage. 
Anmerkungen:
1. Die Region Turkestan und ihre zwei ersten Gebiete Syrdar-
jinski (mit dem Zentrum in Taschkent) und Semiretschenskaja 
(die Hauptstadt des Gebiets war Werny, heute Almaty) wurden 
1867 gebildet. Russland strebte danach, diplomatische und Han-
delsbeziehungen mit den Chanaten Buchara, Chiwa, Kokand, 
Kuldscha und Kaschgar herzustellen und mit allen Mitteln zu fe-
stigen. In Kaufmanns Regierungsjahren bildeten eine der ersten 
Gruppen der Deutschen, die das heutige Territorium Mittelasiens 
und Kasachstans besiedelten, die Auswanderer der Baltischen 
(Ostsee-) Provinzen, unter denen auch Litauer, Polen, Tschechen 
und andere Anhänger des katholischen und protestantischen 
Glaubens waren sowie Militär- und Zivilbeamte der südlichen 
Gouvernements Russlands. Es sei angemerkt, dass die Region im 
Jahr 1917 über 5 Mio. Einwohner zählte. Zu Turkestan gehörten 
fünf Gebiete: Sakaspijskaja (Zentrum: Aschgabat), Samarkands-
kaja (Samarkand), Ferganskaja (Skobelev, danach Fergana, seit 
1924 Kokand), Syrdarjinskaja (Taschkent – seit 1918 ohne das 
Gebiet Amudarjinskaja), Semiretschenskaja (Zentrum: Werny); 
seit 1924 wurden die Bezirke Pischpekski und Prschewalski in 
die Kara-Kirgisische Sowjetautonomie umgewandelt. Der Regio-
nalkongress vom 20. April bis zum 1. Mai 1918 proklamierte die 
Turkestanische Sozialistische Sowjetrepublik.
Wladimir Proskurin

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In den Regierungsjahren von Kaufmanns in Taschkent war 
sein wichtigster Assistent für die Organisation der Verwaltung 
Turkestans der Kanzleileiter Generalleutnant Alexandr Konstan-
tinowitsch Heinz. Am 30. August 1877 wurde die Stadtordnung 
eingeführt, die Stadtduma und das Stadtamt gegründet, an des-
sen Arbeit zwei Vertreter des Industrie- und Handelsstandes 
aktiv teilnahmen: der Ehrenbürger und Kaufmann der 2. Gilde 
M. R. Keller sowie der Kaufmann der 2. Gilde A. I. Rosenfeld. 
Als Stadtoberhaupt wurde D. I. Essen gewählt (seit 1907 war 
I.I.Schneeweiß sein Freund und Stellvertreter). Aber auch spä-
ter waren viele der Russlanddeutsche an der Verwaltung Tur-
kestans beteiligt. Zu nennen wären die Gouverneure Nikolai Ot-
tonowitsch Rosenbach, M. Taube, Alexei Jakowlewitsch Friede, 
Michail Alexandrowitsch Vollbaum, der Gouverneursassistent 
Wasili Jegorowitsch Flug, die Generäle Moritz Gustavowitsch 
Lerche, Aleksandr Wasiljewitsch Kaulbars, Oskar-Ferdinand 
Grippenberg, A. Mosel, und Pawel Jakowlewitsch Rheintal. Es 
gab viele deutschstämmige Fachleute in verschiedenen Wissens-
zweigen: Chemiker, Botaniker, Bergbauingenieure und Medizi-
ner. Die neue, große und wenig erforschte Region lockte sie mit 
der Möglichkeit, ihre Kräfte und ihr Wissen anwenden zu kön-
nen. Unter ihnen waren der Forschungsreisende Arnold Eduar-
dowitsch Regel, die Ärzte N. Seeland A. Neugebauer, der Pharma-
kologe N. Teich, die Astronomen F. von Schwarz, K. Scharnhorst, 
K. Struve, der Seismologe I. Kark, der Diplomat R. Ljutsch, die 
Militäringenieure K. Fabian und W. Fischer, die Wirtschaftsbera-
ter G. Dürrschmidt, L. Salm und F. Sauer und viele andere. 
General Kaufmann und die ersten Neuordnungen der Region Turkestan

144
GÄRTEN UND PARKS IM TAL 
DES TRANSILIǧALATAU
In der Geschichte der Stadt Almaty werden gerade die sie-
benstromländischen Gelehrten der vergangenen Jahrhunderte 
äußerst wenig betont. Doch in geographischen Bezeichnungen 
sowie in den Namen vieler Pϐlanzen und Mineralien Zentralasi-
ens und Kasachstans, seltener Vertreter der heimischen Flora 
blieben sie erhalten: die Kaufmann-Tulpe, die Schrenk-Fichte, 
die Regel-Steppenkerze, der Baum-Hain. Unsere Skizze ist den 
Russlanddeutschen gewidmet, die teilhatten an der Ausgestal-
tung und Begrünung von Gärten und Parks, darunter beson-
ders Naturforscher, Botaniker und Personen des öffentlichen 
Lebens. Das neunzehnte Jahrhundert war reich an talentierten 
Mitarbeitern und Korrespondenten europäischer Gelehrter 
Gesellschaften. Wenn wir in dieser Erzählung auch nicht alle 
erwähnen können, wollen wir doch wenigstens einige nennen. 
Die Naturkundler des Petersburger Botanischen Gartens Alex-
ander von Schrenk, Fjodor Fischer, Karl Meier, A. Lehmann und 
Fjodor Basiner unternahmen zahlreiche Reisen in verschiedene 
Regionen Turkestans, des Steppenkreises und Westsibiriens und 
sammelten wertvolle Herbariumsmaterialien. Mit dem Sammeln 
von Pϐlanzen befassten sich nicht nur hauptberuϐliche Gelehrte, 
sondern auch viele Einwohner der Region, ihre freiwilligen Hel-
fer. Der bekannte Systematiker der Pϐlanzenwelt Turkestans und 
Abteilungsleiter des Petersburger Botanischen Gartens Ernst 
Rudolph von Trautvetter unternahm in den Jahren 1864 bis 
1884 eine Neuausgabe der „Flora Russlands“. In die neue Liste 
fanden unter der allgemeinen Bezeichnung „Beschreibung neu-
er oder wenig bekannter Pϐlanzen“ 6.100 Synonyme und neue 
Pϐlanzenarten Einzug, hauptsächlich aus dem Herbarium des 
Kuldschaer Arztes Johann-Albert Regel.
Im Zusammenhang mit der turkestanischen Periode (1876 
bis 1885) des Lebens und Wirkens von Regel bemerken wir: der 
Wladimir Proskurin

145
Gelehrte legte eine riesige Sammlung von mehreren hundert-
tausend Blättern zu den Gebieten Zoologie, Geologie und Bota-
nik an, beschrieb Naturdenkmäler, Architektur, Geschichte und 
Kultur der Region. Regel sammelte nicht einfach, sondern syste-
matisierte nach seiner Heimfahrt gemeinsam mit seinem Vater 
Eduard Regel Arten und Klassen und beschrieb sie im Buch „Acta 
horti Petropolitani“. Die dankbaren Nachkommen fügten den 
vielen neuen, der Wissenschaft vorher unbekannten Pϐlanzen 
eine kurze Wortverbindung hinzu: „Albertia Rgl“.
Die Forstkundlerbrüder Baum schufen 27 Baumschulen mit 
einer Fläche von 155 Desjatinen (eine Desjatine entspricht ca. 
1,1 ha, Anm. d. Übers.) im Gebiet des Transili-Alatau. Sie legten 
Forstgärten, Haine und Gärten an und führten 44 Arten Laub- und 
17 Arten Nadelbäume sowie 52 Sorten Büsche und Sträucher ein. 
Das beste Denkmal für Leben und Wirken der Brüder Baum wur-
de der Stadthain, der nach Eduard Baum benannt wurde.
Turkestan gehörte im 19. Jahrhundert zunächst zu Westsibi-
rien. In dieser Periode wurde das Gebiet Semiretschje (Sieben-
Der Baum-Hain.
Gärten und Parks im Tal des Transili-Alatau

146
stromland) reformiert. Im Zuge militärischer Expeditionen von 
General Kolpakowsi wurde die Region Kuldscha, die Grenzregion 
zwischen China und Russland, angeschlossen. Es handelte sich 
um die zeitweilig besetzte Ostregion mit der Stadt Kuldscha, 
die uigurische, dunganische und chinesische Bevölkerung auf-
wies. Hier lebten nomadisierende kasachische Stämme, deren 
Bevölkerungszahl bei über 46.000 lag. Der südliche Teil der 
Region Kuldscha war in Amtsbezirke (wolost) aufgeteilt, in de-
nen Torguten, Sibe und Kalmücken mit einer Bevölkerung von 
mehr als 50.000 Menschen lebten. Im öffentlichen Leben und 
der Leitung der Region besetzten in verschiedenen Jahren die 
Russlanddeutschen bemerkenswerte Positionen, darunter die 
Gouverneure und Leiter Alexei Jakowlewitsch Friede, B. F. Wart-
Johann-Albert Regel.
Wladimir Proskurin

147
mann und W. E. Gern. Die Ofϐiziere Moritz Gustavowitsch Lerche, 
P. Ja. Rheintal, Alexandr Wasiljewitsch Kaulbars, und N. Schnei-
der, die kosakischen Atamane aus Semiretschje Artur Alexandro-
witsch Grinwald, A. P. Prinz, E. F. Gilde, W. A. Hoyer und Georgi 
Karlowitsch von Stackelberg, Spezialisten wie die Militäringeni-
eure W. A. Fischer und K. S. Fabian, der Geodät K. Scharnhorst, 
der Astronom K. W. Struve, die Ärzte L. I. Mazejewski, N. L. See-
land und Johann-Albert Regel sowie die Stadtplaner Gebrüder 
Baum leisteten auf mannigfaltige Art und Weise Hilfe. Der Arzt 
Johann Regel unternahm übrigens als Erster archäologische Ex-
kursionen nach Turpan, Schicho und Urumtschi sowie zu ande-
ren Sehenswürdigkeiten der Region Transili-Alatau. 
Im 20. Jahrhundert wurde das Gebiet Semiretschje erneut der 
Region Turkestan zugefügt, wobei einige sozialpolitische Ände-
rungen vorgenommen wurden, die sich insbesondere auf die Tä-
tigkeit des „Stadtbegrüners“ auswirkten. Dieser Beruf wurde in 
der Geschichte auf die unterschiedlichste Art und Weise verstan-
den, was sich auf die beruϐliche Karriere auswirkte. Zunächst 
wurde die Tätigkeit des „Beamten mit Sonderauftrag für die 
Bergregion“ eingeführt (in den Jahren 1867 bis 1870), die an-
schließend wieder abgeschafft wurde; 1872 wurde die Tätigkeit 
des „Gebietsförsters“ begründet, die im Zuge weiterer Reformen 
auch die Bezeichnung „oberster Forstrevisor“ (1895 bis 1917) 
bekam. Der Weltkrieg und der Aufstand gegen den Krieg des Jah-
res 1916, Revolution und Bürgerkrieg änderten staatliche und 
gesellschaftliche Prozesse von Grund auf. Das Schicksal der Brü-
der Baum wurde von Naturkatastrophen beeinϐlusst, von den 
zerstörerischen Erdbeben in Werny der Jahre 1887 und 1917. 
W. N. Schnitnikow, der den Alltag der Region festhielt, erinnerte 
sich folgendermaßen an Eduard Baum: „… er war ein wirklich 
vom Wald Besessener, der bei jedem Baum derart erbebte, als 
ob er ihn selbst gesetzt hätte und ihn liebevoll umsorgte. Und für 
ihn war der außergewöhnliche Umstand, dass er nach dem Erd-
beben von 1887 in Werny die Erlaubnis zum Fällen von Bäumen 
für den Bau geben musste, immer wie ein Stich ins Herz.“
Gärten und Parks im Tal des Transili-Alatau

148
Er erinnert sich an eine kuriose Begebenheit: „…auf der Ver-
sammlung der Beamten des Gebietes vom Dezember 1910 ent-
schied sich Baum – es ist nicht bekannt, zum wievielten Mal 
bereits – erneut für den Schutz des Waldes einzutreten. Er war 
als glänzender Redner bekannt, und zu seinem Vortrag versam-
melte sich scheinbar fast die gesamte Stadt. Als imposanter, 
grauhaariger, angesehener Greis erschien er auf der Tribüne und 
hielt eine heißblütige, donnernde Rede darüber, dass im Sieben-
stromland der Wald eine besondere Bedeutung hätte, dass hier 
jeder Baum wertgeschätzt werden sollte und dass es lächerlich 
und dumm sei, aus irgendeiner Angst vor eingebildeten Erdbe-
ben die Region durch die Vernichtung des Waldes zu verwüsten, 
woraus Dürre und Missernte folgen würden… Und nur unaus-
geglichene Leute könnten immer noch glauben, dass wenn es in 
Werny einmal ein Erdbeben gegeben habe, dieses zwangläuϐig 
wiederkehren werde. Hier führte er Beispiele bekannter Erdbe-
ben in der Vergangenheit an, die sich über hundert und mehr 
Jahre nicht wiederholten, und beendete seine Rede mit einem 
ϐlammenden Aufruf an den gesunden Menschenverstand der An-
wesenden und der Forderung an die Herrschenden, endlich das 
Verbot, in Werny Steinhäuser zu bauen, aufzuheben und für den 
Schutz des zugrunde gehenden Waldes einzutreten.
Die großartig aufgebaute und auch so vorgetragene Rede Baums 
machte großen Eindruck. Er erhielt großen Beifall. Man hätte 
schwören können, dass sein Aufruf gehört würde. Doch die Rede 
wurde am 21. Dezember gehalten, und in der Nacht… gab es ein 
Erdbeben, dass sogar die Katastrophe des Jahres 1887 weit hinter 
sich ließ! Baum selbst wäre um ein Haar gestorben, als er nur in 
Unterwäsche in die Kälte sprang und sich eine schwere Lungen-
entzündung zuzog. Dieses erstaunliche Zusammentreffen kon-
sternierte alle, die den Vortrag gehört hatten, dessen Inhalt Ge-
genstand lebhafter Unterhaltungen in der Stadt wurde“, bezeugt 
W. N. Schnitnikow, Zoogeograph und Wissenschaftshistoriker. 
Mit den Namen von Russlanddeutschen, den ersten Gouver-
neuren und Vizegouverneuren Gustav Christianowitsch Hasfort, 
Wladimir Proskurin

149
K. K. Gutkowski, Konstantin Petrowitsch von Kaufmann und 
P. K. Euler beginnt die Stadt Werny (heute Almaty) sich zu ent-
wickeln. Konstantin Petrowitsch Kaufmann logierte bei seinem 
Besuch 1871 „… in einem der Häuser der Neuen Stadt (Werny, 
W. P.), wo noch im Vorjahr ein verwahrlostes Grundstück lag, das 
bereits in Viertel aufgeteilt war.“ Der Stadtplatz „… wird schnell 
mit zweistöckigen Häusern aus Stein – privaten und staatlichen 
– bebaut. Diese Neustadt hat schon jetzt eine gute Veranlagung 
für ihre zukünftige Entwicklung. Sie wächst mit jeder Stunde 
und verspricht zu einer richtigen Stadt zu werden, und nicht zu 
einer großen Kosakensiedlung, wie sie bis jetzt war – mit ihren 
kleinen Holzhäusern und patriarchalischem Milieu…“.
Der Reisende Johann-Albert Regel kam in der Gebietsstadt 
Werny am 6. September 1876 an. In seinem Reisetagebuch be-
merkte er, dass die Stadt „… richtig eingerichtet ist, mit vollkom-
men europäischen Häusern, vor die Pϐirsich- und Apfelbäume 
gepϐlanzt sind. Die Stadt ist in allen Ecken und Winkeln mit man-
nigfaltigen Anpϐlanzungen silberner und schwarzer Pappeln, 
Weißdorn und anderer Bäume geschmückt.“ Am südöstlichen 
Stadtrand besuchte der Reisende den Staatsgarten (der heuti-
ge Gorki-Park), der am rechten Ufer der Almatinka eine Fläche 
von 40 Desjatinen einnahm und sich am Eingang zum Forstre-
vier Werny befand, unter Aufsicht des Forstschutzes der lokalen 
Verwaltung für Landwirtschaft und Staatsgüter, unter Obhut der 
gelehrten Baumgärtner M. Kreschtopenko, Ju. Ruschitz, K. Stolz, 
A. Fetisow, G. Ignatowitsch und der Brüder Baum.
Zu dieser Zeit tauchten in Werny in der Gegend um den Gosti-
nij dwor (der heutige „Grüne Basar“) die ersten bebauten Stra-
ßen auf (die heutige Matakajewstraße und Puschkinstraße), es 
entstanden etwa 600 Häuser. Die Wände der Gebäude bestanden 
aus Lehm, doch um den Eindruck von Monumentalität und Be-
ständigkeit zu schaffen, wurden sie von außen mit Backsteinen 
bedeckt. Übrigens wurden auch die steinernen Eigenheime der 
Kauϐläute mit sieben Fenstern an der Fassade mit Holz- oder 
manchmal auch Eisendächern gebaut. Das vom Stadtarchitekten 
Gärten und Parks im Tal des Transili-Alatau

150
Paul Gurde ausgearbeitete Farbspektrum wurde ausnahmslos 
befolgt und schon anhand der Bemalung der Wände, anhand von 
Material und Färbung der Dächer konnte man erkennen, wer 
vermögend war, und wer in Armut lebte…
Die neue Stadt verwandelte sich rasch eher in ein muster-
haftes Dorf, als in die architektonisch entwickelte Hauptstadt 
von Semiretschje. Die Stadtviertel füllten sich schnell mit Wirt-
schaftsgebäuden, Obst- und Gemüsegärten. Selbst heute tauchen 
im Wortschatz alter Stadtbewohner vereinzelt eigentlich schon 
leider verschwundene Namen auf: „Baum-Hain“, „Werigin-Hü-
gel“, „Pugasow-Brücke“, „Moisejew-Gärten“. Der Schriftsteller 
P. N. Krasnow bemerkte zu Recht, dass jede Stadt für etwas be-
kannt ist. Dresden für die Sixtinische Madonna, New York für die 
Freiheitsstatue und Werny für seine Äpfel und… Erdbeben. 
Zudem auch für seine malerischen Berge und Hügel. Die be-
kannteste Anhöhe nannte man Werigin-Hügel (heute Kok-Töbe). 
Hier erholten sich die Einwohner von Werny häuϐig, machten 
Picknicks und Ausϐlüge, sammelten Blumen - Krokusse, Pϐingst-
rosee, Iris und Rhabarber, im Winter wurden die Berge auf Schlit-
ten und Skiern erobert. Während der Anwesenheit der Brüder 
Baum wurden die Haine Aksaiskaja, Kaskelenskaja, Iliskaja, Ka-
menskaja, Kolpakowskaja sowie weitere Oasen von Semiretsch-
je angelegt, unter denen sich auch der „Hain der Weinenden“ 
(Tastakski-Grünanlage) mit einem Triumphbogen für die hohen 
Gäste von Werny beϐindet.
Der Schriftsteller Nikolai Anow erzählt in seinem Roman „Asia“ 
vom schweren Schicksal der Stadt nach Beginn der Revolution 
und des Bürgerkrieges. Davon, wie die blühenden Apfelbäume 
von Semiretschje zu Feuerholz wurden und der berühmte Aport 
aus Werny zu Viehfutter. Im Zuge des Wachstums der Stadt ver-
wandelte auch der unstillbare Appetit ihrer Führungspersonen 
Haine am Stadtrand in Datschengrundstücke, in Schutzgebieten 
wurde auf seltene Tiere und Vögel gejagt, oder einfach, wie schon 
in unseren Tagen, wurden rechts und links Landtücke für Villen, 
Spielhöllen, Tennisplätze und Golϐklubs verteilt. In den 60er und 
Wladimir Proskurin

151
70er Jahren wurden zur Zeit des Baus der „Mikroregionen“ im 
fruchtbaren Gürtel der Vorberge des Transili-Alatau endgültig 
die letzten Obstgärten von Alma-Ata abgeholzt.

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